Eine Wanderin steht als Silhouette auf einem felsigen Absatz und blickt in den Sonnenaufgang über dem dunstigen Bergpanorama, daneben ein Schneefeld.
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22.–23. Juni 2026

Schlossberg

Ein grosser Hochtouren-Tag ab der Spannorthütte: Start um vier Uhr früh, Sonnenaufgang an der Schlossberglücke, eine Kletterei durch die Südwand, der Gipfel und eine lange Schneeabfahrt nach Engelberg.

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Elf Seillängen durch die Südwand

Über Nacht bietet sich die Spannorthütte an — eine der gemütlichsten Hütten der Schweiz, mit herrlichem Abendessen und dem Vorsatz, früh ins Bett zu kommen. Denn am Gipfeltag geht es sehr früh los: In rund anderthalb Stunden erreicht man die Schlossberglücke, oben oft mit einem grandiosen Sonnenaufgang belohnt. Von der Lücke umgeht man den ersten Felsblock auf der Ostseite und kraxelt über steilen Schotter um den zweiten grossen Block auf der Westseite herum.

Die Südwand selbst sind elf kurze Seillängen mit gut auffindbaren Ständen in sehr gutem Zustand. Die Kletterei fühlt sich aber richtig alpin an: Bohrhaken sind rar, manche der kürzeren Längen haben gar keine, und im Vorstieg ist Stürzen schlicht keine Option. Dazu liegt viel loses Gestein herum — Vorsicht ist geboten, besonders wenn andere Seilschaften in der Wand sind. Die SAC-Routenbeschreibung schildert jede Seillänge im Detail; die sechste ist die Schlüsselstelle, angeblich 4c, gefühlt eher 5c.

Vom Wandausstieg sind es nur noch rund 300 Höhenmeter steiles, aber sehr einfaches Gelände bis zum Gipfel. Hinunter gibt es reichlich Schnee zum Surfen, und das Abseilen läuft reibungslos. Zurück an der Spannorthütte folgt der lange, unverschämt schöne Abstieg nach Engelberg (etwa 2 h 30) durch Blumenwiesen und Kuhweiden, vorbei an Wasserfällen und durch üppigen Wald — dieser Abstieg wäre ganz für sich schon ein wunderbarer Tagesausflug.

Tipp: Am Gipfeltag um 4 Uhr los, und die SAC-Topo genau studieren. Helm auf: In der Wand ist viel loses Gestein unterwegs.

Wie es bei mir war

An der Schlossberglücke holte mich erst mal die Realität ein — ich war völlig ausgepumpt und brauchte gut anderthalb Stunden Pause mit Essen und Trinken, bevor ich überhaupt an die Wand denken konnte. Mitten in der Schlüssellänge trat Olli versehentlich einen Stein los, der mich an der Schulter traf: kurze Bewegungsunfähigkeit, etwas Blut, ein paar Tränen. Nach einer Weile entschied ich, dass es schon gehen würde, und wir stiegen oben aus der Wand aus. Beim allerletzten Abseiler begann es zu regnen, und wir surften klatschnass über jedes Schneefeld zurück zur Hütte. Eine Spätzlipfanne und zwei Bier später ging es glücklich ins Tal. Den Nord-Süd-Grat hebe ich mir für später auf — für den Tag, an dem ich mich in hohem, ausgesetztem Gelände wohler fühle.