Morgenberghorn
Eine vielseitige Wanderung vom Kiental an den Thunersee: Blumenwiesen und Wald im Aufstieg, durch offene Weiden und läutende Kuhglocken und an der gemütlichen Brunnihütte vorbei.
Drei Landschaften an einem Tag
Diese Tour hat mehr Gesichter als die meisten. Sie beginnt in Ramslauenen hinten im Kiental auf 960 Metern, und der erste Teil ist schlicht schön: ein Pfad, der sich durch Blumenwiesen und Wald hochwindet, dazwischen immer wieder der Blick zurück auf die verschneiten Gipfel am Talschluss. Nichts davon ist schwierig, alles davon ist ein Grund, langsamer zu gehen.
Über den Latrejegrat auf knapp 1980 Metern geht es hinüber — und dann ärgerlich weit wieder hinunter, auf rund 1500 Meter bei Mittelberg. Das ist der Preis dieser Route: Die 1750 Höhenmeter kommen nicht am Stück, sondern in zwei Portionen. Der zweite Teil ist offener und trockener, weites Weideland, überall Kühe, ein paar Höfe mit Schweinen im Matsch. Ab dem Rengglipass zieht der Weg dann direkt und zäh zum Gipfel hoch: 2249 Meter, und die letzten Meter sind ehrlich anstrengend.
Der Abstieg entschädigt zweifach. Zuerst die Brunnihütte auf 1660 Metern — genau dort, wo man ein kaltes Getränk braucht. Danach über tausend Meter hinunter nach Leissigen, mit dem türkisen Thunersee die ganze Zeit vor der Nase.
Tipp: Als Trailrun funktioniert die Runde gut, aber mit Respekt vor dem Abstieg — 2150 Höhenmeter bergab auf 19 Kilometern sind mehr Arbeit für die Beine, als die Distanz vermuten lässt. Und wer auf die Brunnihütte zählt, prüft die Öffnungszeiten besser vorher.
Wie es bei mir war
Die ersten zwei Stunden habe ich vor allem geschaut statt gelaufen — so hübsch windet sich der Weg durch die Wiesen. Dass die Höhenmeter zweimal kommen, hatte ich vorher gelesen; der Wiederaufstieg ab Mittelberg fühlte sich trotzdem wie eine kleine Frechheit an. Weiter oben stand eine Herde in der Sonne und schaute uns beim Vorbeigehen zu, ein Schwein wühlte hochzufrieden im Schlamm, und irgendwo dazwischen sassen wir auf einer verwitterten Bank und assen Nudelsalat aus der Blechdose, das Sackmesser daneben.
Der Schlussanstieg zum Gipfel war dann genau so anstrengend, wie er von unten aussieht. Umso besser, dass die Brunnihütte kurz danach kommt: kaltes Getränk, Beine ausstrecken, der Thunersee tief unten. Der Rest war ein langer, sonniger Abstieg nach Leissigen — und am nächsten Morgen wusste ich sehr genau, welche Muskeln fürs Bergabgehen zuständig sind.
Diese Tour gemeinsam gehen?
Bald führe ich kleine Gruppen. Lass deine Mailadresse da, dann schreibe ich dir, sobald ein Termin für diese Wanderung steht.