Die zackigen Felstürme des Gross Spannort ragen unter blauem Himmel über die Schneefelder.
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21.–22. Juni 2026

Gross Spannort

Eine zweitägige Hochtour in den Urner Alpen: Übernachtung auf der Kröntenhütte, Gletscher im Morgengrauen, eine luftige Kletterei zum Gipfel und eine lange Schneeabfahrt zur Spannorthütte.

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Schön von Weitem, brüchig von Nahem

Das grosse Spannort — einer der schönsten Berge der Schweiz, zumindest aus der Ferne. Von Nahem entpuppt es sich als veritabler Bruchhaufen, auf dem es schwerfällt, beim Klettern nicht die eigenen Seilgefährten mit Steinen zu bewerfen, so herrlich brüchig ist alles. Und trotzdem macht die Tour riesig Spass — wenn man Berge, Gletscher und ein bisschen Kletterei mag und es einem nichts ausmacht, den Wecker auf 4 Uhr morgens zu stellen.

Die Route ist eine Hüttentraverse: Zuerst geht es hinauf zur gemütlichen Kröntenhütte, mit eiskaltem Seelein nebenan und Kindern, die überall herumrennen — ein Ort, der auch für sich allein einen Besuch wert ist. Am Gipfeltag heisst es sehr früh los: über das weiche Schneefeld und den Gletscher (bei guten Verhältnissen ohne Steigeisen, aber angeseilt) zur Spannortlücke, dann über heiklen Bergschrund in den Fels.

Der Gipfelaufbau ist keine Klettersteig-Sache zum Einklinken: Man braucht ein 50-m-Seil und das Können, damit umzugehen. Stellenweise hilft ein Fixseil, verlassen darf man sich aber nicht darauf, und der Fels ist durchgehend brüchig. Oben wartet die Aussicht, das Abseilen ist danach ein Kinderspiel. Über perfekten Schnee surft man Richtung Schlossberglücke hinunter — direkt unter der berüchtigten Nordwand, die stetig Steine spuckt — und weiter fast bis zur wunderschönen Spannorthütte.

Tipp: Am Gipfeltag im ersten Licht starten, bevor der Schnee weich wird und die Nordwand richtig loslegt. Und für die Nacht die Kröntenhütte einplanen: familiär, herzlich und mit Badesee.

Wie es bei mir war

Im ersten Licht brachen Olli, Eva und ich Richtung Graw Stock auf — so warm, dass wir um 5 Uhr auf 2500 m im T-Shirt gingen und uns einredeten, in Zürich sei es bestimmt erst recht glühend heiss. Am Bergschrund verlor Olli einen Stock in einer Schneebrücke, und Eva kletterte irgendwie in den Schrund hinein und holte ihn magisch wieder heraus. Die richtige Kletterlinie haben wir prompt verloren, uns auf halbem Weg einen eigenen Stand gebaut und uns über den brüchigen Fels zum Gipfel hochgearbeitet — was für eine Aussicht! Unten empfing uns Andy, der herzliche Hüttenwart der Spannorthütte, mit einem wohlverdienten Bier auf der Terrasse. Prost!