Eine Wanderin steht auf dem grasigen Grat und blickt über den türkisen Brienzersee zu den verschneiten Berner Alpen.
← Alle Wanderungen
17.–19. Juni 2022

Brienzer Grat

Eine luftige Gratüberschreitung hoch über dem Brienzersee. Der lange, grasige Brienzergrat zieht sich stundenlang mit ständigem Tiefblick auf den See – ein Klassiker der Berner Alpen.

Über den ganzen Brienzer Grat

Der Brienzer Grat ist eine der grossen Gratwanderungen der Voralpen: von Brünig-Hasliberg in mehreren Tagen über Wilerhorn, Brienzer Rothorn, Tannhorn und Augstmatthorn bis hinunter zur Harder Kulm bei Interlaken. Der Weg bleibt lange im T4-Bereich, ist aber durchgehend ausgesetzt und abwechslungsreich; kurz vor dem Tannhorn wartet eine anspruchsvollere Kletterstelle und danach ein sehr ausgesetzter, scharfkantiger Grat (T5-). Am Rothorn führen Tunnel und Galerie kühl durch den Fels. Die ganze Zeit begleitet einen das Panorama von Eiger, Mönch und Jungfrau bis zu Finsteraarhorn, Schreckhorn und Wetterhorn.

Tipp: Wasser ist das Thema. Auf dem Grat gibt es keins, und an heissen Tagen sind drei Liter pro Person zu knapp — vier sind realistischer. Zeltplätze sind rar; die kleinen Plätze am Schnürenhörnli und an der Ällgäulücke gut einplanen.

Wie es bei mir war

Wir stiegen abends von Brünig-Hasliberg in gut zwei Stunden rund tausend Höhenmeter hinauf und hatten bei Einbruch der Dunkelheit Zelt und Kocher oben — die Nacht blieb warm, Hüttenschlafsäcke reichten. Am nächsten Tag der lange, wunderschöne Grat: An einem Vorgipfel kraxelten wir über eine Steinplatte (T5+, sehr loses Gestein), für mich grenzwertig, für Olli mittelschwer. Kurz vorm Tannhorn kam meine mentale Grenze — mit Olli voraus ging es. Nach dem Tannhorn stiegen wir erschöpft zur Ällgäulücke ab, machten im Schatten Pause und quälten uns mit letzter Energie auf den Vorgipfel des Schnürenhörnli, wo gerade noch ein kleiner Zeltplatz war. Am dritten Tag früh aufs Augstmatthorn und dann der lange, sehr heisse Abstieg durch den Wald zur Harder Kulm — statt der angeschriebenen 2½ Stunden wurden es vier. Eine Hammer-Tour, aber auch richtig anstrengend.