Altmann Ostgrat
Klettern am zweithöchsten Alpsteingipfel — offiziell 3+, gefühlt mehr, und davor über tausend Höhenmeter Zustieg ab Wildhaus.
Erst wandern, dann klettern
Der Altmann ist mit 2435 Metern der zweithöchste Gipfel des Alpsteins, und der Ostgrat ist die Linie, die man von unten sieht und sofort verstehen will. Nur beginnt der Klettertag als Wandertag: Ab Wildhaus sind es über tausend Höhenmeter bis an den Einstieg, ein langer, stetiger Aufstieg durch Alpsteingelände, bei dem man das Kletterzeug erst einmal spazieren trägt. Wer den Zustieg unterschätzt, steht am Einstieg schon mit halb leeren Beinen.
Offiziell steht der Grat mit 3+ im Führer. In der Realität ist er zäher als die Zahl — und vor allem steil für einen Dreier. Der Fels steht deutlich mehr auf, als man es in diesem Grad gewohnt ist, die Tritte werden kleiner als erwartet, und es ist durchgehend ausgesetzt. Das ist kein Grund, die Tour zu meiden, aber ein Grund, sie nicht als Aufwärmroute einzuplanen.
Alpsteinkalk halt: scharf, meist solide, aber alpin. Es ist kein abgesicherter Plaisirgrat, sondern eine Gratkletterei mit eigener Absicherung, eigenem Routenspürsinn und einem Abstieg über die Normalroute, der nach der Kletterei noch einmal Konzentration verlangt. Zeitplan und Wetter entscheiden hier mehr als der Grad.
Tipp: Sommer und Herbst, im Herbst mit der schöneren Luft und weniger Betrieb. Wegen des Zustiegs entweder sehr früh los oder die Tour auf zwei Tage legen und im Berggasthaus am Zwinglipass respektive Rotsteinpass übernachten — dann klettert man am Morgen mit frischen Beinen statt nach tausend Höhenmetern.